Spielplatztest des Stadtmagazins psechs
Zwei Redakteurinnen nahmen Spielplätze in Pirmasens einmal genauer unter die Lupe. Dieser Text wurde uns netterweise vom Stadtmagazin "psechs" und den Verfasserinnen zur Verfügung gestellt - vielen Dank!
Der P6-Spielplatz Test:
Pirmasens wird immer älter. „Kinder braucht die Stadt!“, heißt es von überall. Doch wie sieht es mit den Angeboten aus, wenn man diese dann großzieht? P6 ist durch die Stadt gezogen und hat diesmal die Spielplätze bezüglich Spaßfaktor, Sauberkeit, Sicherheit und Ausstattung unter die Lupe genommen.
„Die Kinder heute sitzen viel zu viel vor dem Fernseher, spielen nur noch Computer und kommen auch sonst kaum noch aus dem Haus“, so die mehrheitliche Meinung überall. Doch gibt es Pirmasens überhaupt Anreiz für die Kleinen, sich auf den Spielplätzen auszutoben? Und genügen die Spielplätze unserer Stadt kritischen Elternaugen, die ihre Kinder verständlicherweise nicht in den Resten der Party der vergangenen Nacht spielen lassen wollen?
Wie sieht ein toller Spielplatz aus?
Zuerst einmal sollte die Frage geklärt werden, was einen schönen Spielplatz eigentlich ausmacht. Laut unserem 6-jährigen Experten Lukas braucht ein Spielplatz „auf jeden Fall was zum Klettern“, und wenn es geht „etwas was sich schnell dreht“. Lukas’ Mutter achtet da schon eher darauf, dass der Rasen gemäht ist und die Bänke zum Verweilen einladen.
Der Test:
Unser erster Test führt uns an den Spielplatz am Eisweiher. Optimal ruhig gelegen verfügt er über eine Riesenrutsche und einige Klettergerüste. Viele von uns erinnern sich sicherlich auch noch an die Wasserpumpe, mit der sich früher einmal richtig gut Staudämme bauen ließen, allerdings ist diese nicht mehr vorhanden. Der Spielplatz ist groß, da findet sich schnell gute Gesellschaft, doch für die Eltern dürften es ein paar Sitzgelegenheiten mehr sein.
Beim Spielplatz in der Strobelallee stören verrostete Rohre und verschmutzter Sand den ansonsten guten Eindruck, der zum größten Teil durch die schöne Lage und eine große Rasenfläche entsteht. Wie bei den meisten Spielplätzen im Stadtgebiet stehen hier eine Rutsche, ein Karussell und eine Wippe zur Auswahl. Eine Oma mit Enkelin schildert, dass sie sich bei der Stadt schon einmal über den schmutzigen Sand beschwert habe, es sei dann allerdings nichts mehr passiert.
Pflege ist teuer - Eigeninitiative gefragt
Tatsache ist jedoch, dass das zuständige Gartenamt jedes Jahr den Sand in reinen Sandspielflächen erneuert und die Spielplätze regelmäßig reinigt. Auch werden die Geräte regelmäßig kontrolliert, gewartet und bei Bedarf repariert oder gar ausgetauscht. Um das Verletzungsrisiko so gering wie möglich zu halten, wird der Fallschutz um die Geräte wie z.B. Sand, Kies, Mulch oder Gummiplatten regelmäßig kontrolliert und ergänzt. Über 80.000 Euro gibt die Stadt Pirmasens jährlich für die städtischen Spielplätze aus. Dabei entfallen ca. 42.000 Euro auf Reparaturen und 40.000 Euro auf die Anschaffung von Spielgeräten. Aufgefallen ist uns, dass die Spielplätze sehr unregelmäßig verteilt sind und es gerade in Neubaugebieten, wo es Familien mit Kindern hinzieht, keine Spielplätze gibt. Grund dafür ist, dass das Anlegen eines neuen Spielplatzes einfach zu teuer ist. Spielplätze gehören nämlich nicht zu den Erschließungskosten, bei denen Bürger und Stadt sich einbringen. Die Stadt müsste also einen Mindestbetrag von 50.000 Euro alleine aufbringen. Doch man hört auch immer wieder von Städten, in denen Bürger sich in Eigeninitiative um Spielplätze gekümmert haben. Warum also nicht in Pirmasens?
Wie bereits erwähnt, sind manche Stadtviertel sehr arm an Spielmöglichkeiten für die Kleinen. So z.B. am Sommerwald. Dort gibt es nämlich nur genau einen öffentlichen Spielplatz, und zwar am Wasserturm. Dieser ist schön weitflächig und von Bäumen umrundet, doch hier fallen zum ersten Mal Glasscherben von Bierflaschen auf, die auf einem Spielplatz natürlich nichts zu suchen haben. Im Allgemeinen sind die Spielplätze in Pirmasens jedoch relativ sauber, was zum größten Teil wohl auch auf die Reinigungsaktionen des Gartenamts zurückzuführen ist.
Am Lichtenbergplatz fällt sofort die schöne Begrünung ins Auge. Viele Sitzgelegenheiten für den relativ kleinen Spielplatz laden zum Verweilen ein. Geräte gibt es nicht viele, aber das stört nicht weiter. Besonders schön finden wir die extrabreite Rutsche.
In der Spitalstraße steht sogar eine Tischtennis-Platte für die etwas größeren unter den spielfreudigen Kids. Eine Kreuzung aus Schaukelpferd und Wippe ist eine bisher noch nicht gesehene Alternative.
Im Neufferpark gibt es sogar zwei Spielplätze: einen direkt neben dem Biergarten, einen etwas weiter weg. Beide enttäuschen uns eher. Bietet der Neufferpark doch hevorragende Möglichkeiten für Familienspaziergänge, ist das Geräteangebot recht gering.
Kommen wir nun zur Adam-Müller-Straße. Von Bäumen umgeben, aber doch direkt an einer viel befahrenen Straße finden wir dort einen Spielplatz mit einem großen Klettergerüst mit Rutsche und einem Balken für, aber leider ohne Schaukeln. Hierzu muss gesagt werden, dass das Gartenamt auch für die Sicherheit der Geräte auf den Spielplätzen verantwortlich ist. Daher muss ab und zu auch ein Gerät abmontiert werden, bevor ansonsten eine Gefahr besteht.
Direkt hinterm Zollamt in einem kleinen Waldstückchen gibt es auch einen kleinen Spielplatz mit einem großen Klettergerüst und einer Wippe. Leider hat auch dort schon lange niemand mehr Unkraut gerupft und der Sand ist somit ziemlich zugewuchert. Auf kleinere Kinder sollte man dort etwas achten, denn zwar liegt der Spielplatz abseits der Straße, doch fehlen ca. zwei Meter Zaun zum Zollamtparkplatz hin. Da entwischt der ein oder andere doch gerne einmal schnell.
Ein Highlight in der Pirmasenser Spielplatzszene ist der Spielplatz im Strecktal. Hier fühlen Kinder sich zurückversetzt ins Mittelalter und können in einer mit Spielgeräten wie Klettermöglichkeiten, Rutschen und Rohren gespickten Burgruine nach Herzenslust Ritter und Burgfräulein spielen. Direkt nebenan bietet dann der Wasserspielplatz gerade im Hochsommer eine willkommene Erfrischung für die Kleinen. Doch das ist noch lange nicht alles, was das Strecktal zu bieten hat. Es gibt Rampen für Skater, ein Beachvolleyballfeld etc. Ein großer Spielplatz für alle Altersklassen also.
Am Arnulfplatz neben dem CVJM-Haus erwartet uns ein etwas neueres Exemplar unserer Testobjekte. Diesmal sind die Spielgeräte aus Holz und nicht aus Metall. Ein großes Klettergerüst lädt zum Spielen ein und eine Rutsche und Holzscheiben zum Balancieren ergänzen das Angebot. Der Spielplatz sehr schön angelegt mit großen Sandsteinen und der Eingang liegt nicht an der stark befahrenen Arnulfstraße sondern in der Seitenstraße
In einer Seitenstraße der Zweibrücker Straße, der Schützenplatzstraße, liegt etwas versteckt der nächste Spielplatz. Dieser Spielplatz hat zweifelsfrei einen der größten Sandkästen aller überprüften Spielplätze. Der Rest der Spielgeräte – ein Karusell und zwei Wippen - liegt auf einem kleinen Hügel vor der Kulisse der FH. Noch zu bemerken gilt, dass die Schützenstraße eine verkehrsberuhigte Zone ist, die aber leider in eine der meistbefahrenen Straßen in Pirmasens mündet.
Weit hinten im Schachen finden wir den Spielplatz in der Paulstraße, ein großes Gelände mit einem hohen Zaun drumrum. Irgendwie wirkt der Spielplatz relativ ungemütlich im Gegensatz zu anderen. Immerhin wurde in den letzten Jahren dort etwas getan. Die Kletterstangen scheinen nicht so alt zu sein wie der Rest vom Spielplatz – die Schaukel, die Rutsche, die Wippen und das bogenförmige Klettergerüst.
Der Spielplatz an der Kaisertreppe ist schön ruhig, allerdings fehlt der Rasen und es gibt keine Sitzgelegenheiten. Dafür ist der Sand schön sauber und hier steht ein Exemplar der etwas neueren „Spielplatzklettergerüst-Generation“, ein Gestell mit integrierter Rutsche, Feuerwehrrohr und vielen kleinen Funktionen zum Herumtoben. Auch in der Neugasse steht ein solch fantasievolles Klettergerät und hier gibt es für den relative kleinen Spielplatz sehr viele Sitzgelegenheiten.
Wenn Sie wirklich viel Wert auf Spielplätze in der Nähe legen, dann sollten Sie mit Ihrer Familie auf den Kirchberg ziehen. Dort befindet sich bei Weitem die größte Spielplatz-Dichte, gerade mal 500m sind z.B. die Lisztstraße und der Beethovenplatz voneinander entfernt. Allerdings ist die Lisztstraße eher ein Durchgang mit nur wenigen Geräten, der Beethovenplatz hingegen ein schön mit Bäumen umrandeter Platz, der auch wieder über eines der Geräte der neuen Generation verfügt. Wippe.
Auch in der Werner-Egk-Straße steht ein cooles Klettergerüst, leider fehlen den Bänken allerdings die Sitzflächen, ein Manko am sonst sauberen und im Grünen gelegenen Spielplatz.
Der Spielplatz in der Schuhmannstraße ist zweigeteilt. Der eine Teil besteht aus einem gepflegten Rasenstück mit Wippe und Schaukel, die umliegenden Bäume spenden auch im Hochsommer Schatten. Im anderen Teil stehen eine Rutsche, die ähnlich wie am Lichtenbergplatz in eine Sandsteinlandschaft eingebettet ist, ein Karussell, sowie ein Extra-Sandkasten. Leider ist dort der Sand etwas verschmutzt, ansonsten ist der Spielplatz aber schön sauber. Die Bänke und das Karussell wurden hier noch extra verziert. Außerdem gibt es hier ein ganz außergewöhnliches Spielgerät. Eine Stange zum Draufstellen, die sich ganz sehr schnell dreht. Davon ist Lukas begeistert, und das es gleich nebenan ein Eis gibt, natürlich auch.
Ergebnisse aus dem P6-Spielplatz-Test:
Natürlich können öffentliche Spielplätze nicht wie private Spielplätze gepflegt und ausgestattet werden. Dennoch sind die meisten Spielplätze sauber und sicher. Allerdings gibt es wie überall das Problem Vandalismus, der viel Mühe und Einsatz völlig unnötig zunichte macht.
Toll wäre es natürlich wenn es ähnlich zur Bolzplatz-Kampagne von Oliver Bierhoff auch eine „Spielplatz-Kampagne“ geben würde, doch dafür müsste wohl Deutschland erst die Weltmeisterschaft im Rutschen ausrichten, damit Firmen sich für solch eine Idee begeistern könnten.
Text & Fotos: Renate Schmidt & Tanja Göller
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